Heute fand der 33. Ebenraintag in Sissach statt. Einmal mehr ein grossartiges Ereignis.
Liebe Gäste
Ich weiss, meine Stimme erreicht Sie gerade irgendwo zwischen Pflanzgarten, Kuhstall und Glacestand – und das ist bestens so. Weil es heute nicht darum geht, einer Rede zuzuhören, sondern ums Zusammenreden und Zusammenkommen.
Darum möchte ich heute nur einen ganz kurzen Gedanken mit Ihnen teilen:
Wir reden in unserem Land viel über die Landwirtschaft. Auch gerade diesen Sommer, mit seiner Hitze und Trockenheit.
Ich höre am Radio Debatten über Subventionen für die Landwirtschaft, lese in der Zeitung, dass die Bäuerinnen und Bauern den Klimawandel verschlafen habe. Ja, unsere Gesellschaft ist mittlerweile gut darin, zu pauschalisieren und zu schubladisieren. Wir reden lieber über andere, statt miteinander. Diskutieren lieber über die Landwirtschaft, als mit jenen Menschen, die sich jeden Tag dafür engagieren, dass die Ladenregale gefüllt und unsere Kühlschränke voll sind.
Ja, jeden Tag. Von morgens früh bis abends spät – und oft auch in der Nacht geben Menschen ihr Bestes – auf den Feldern, in den Ställen. Sieben Tage die Woche – und in der Regel ohne Sommerferien am Meer. Damit wir jeden Tag volle Teller haben.
Meine Damen und Herren. Schön, dass Sie hier sind. Ihr Besuch am Ebenraintag ist Ausdruck dafür, dass Sie nicht nur über, sondern mit den Bauern reden wollen. Dieser Tag gibt uns allen die Möglichkeit für Begegnungen mit der Landwirtschaft, mit Bäuerinnen und Bauern, die tief verbunden mit der Natur, tagein tagaus ihr Bestes geben – unter Bedingungen, die längst nicht immer einfach sind. Auch dieses Jahr: Die Trockenheit, die Hitze – das war extrem und belastend, auch psychisch. Zu wenig Futter für die Tiere. Zu wenig Ertrag auf den Feldern.
Es wurde diesen Sommer viel über heisse Büros geredet. Aber: Wie oft reden wir darüber, was diese Bedingungen für die Landwirtschaft bedeuten? Genau darum ist der Ebenraintag so wichtig. Er bringt zwei Welten zusammen, die sich heute viel zu oft nur über Schlagzeilen begegnen: die Landwirtschaft und uns, die wir von ihr leben. Er zeigt, was hinter dem Essen auf unserem Teller steckt – macht die Menschen sichtbar, die jeden Tag Entscheidendes für unsere Ernährung leisten.
Liebe Gäste. Die allermeisten in der Landwirtschaft haben die Zeichen der Zeit längst erkannt und wissen, dass es Veränderung und Anpassung braucht. Vieles davon ist im Gang, anderes muss noch besser werden. Das wissen alle. Aber mit Pauschalaussagen und Schubladisierung erreichen wir weder in der gesellschaftlichen noch in der politischen Debatte etwas. Mit Wertschätzung und gemeinsamem Unterwegssein aber sehr vieles!
Der heutige Tag ist der beste Beweis dafür, dass das geht. Geniessen Sie ihn – und was auch immer Sie heute essen: Danke an die, die es produziert haben.
