Letzte Woche hielt ich einen Vortrag zum Thema „𝗚𝗲𝘀𝘂𝗻𝗱𝗵𝗲𝗶𝘁 – 𝗮𝘂𝗰𝗵 𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗙𝗿𝗮𝗴𝗲 𝗱𝗲𝗿 𝗣𝗲𝗿𝘀𝗽𝗲𝗸𝘁𝗶𝘃𝗲“. Patrick M. Borer war unter den Gästen und hat einen spannenden Text zur Veranstaltung geschrieben. Vielen Dank dafür! 💐
„Die steigenden Gesundheitskosten gehören zu den Dauerfragen unserer Zeit. Was steckt hinter dieser Entwicklung? Welche Fehlanreize prägen das System? Wo kann die Politik tatsächlich wirksam eingreifen? Diesen Fragen widmete sich Regierungsrat Thomi Jourdan. (…)
Jourdan verstand es, die komplexen Zusammenhänge verständlich und zugleich differenziert darzustellen. Schnell wurde deutlich: Die steigenden Kosten lassen sich nicht mit einfachen Schuldzuweisungen erklären. (…) Er zeigte auf, dass mehrere Entwicklungen ineinandergreifen: Medizinischer Fortschritt eröffnet neue Möglichkeiten, die Lebenserwartung steigt, und mit der demographischen Entwicklung nehmen auch Behandlungs-, Betreuungs- und Pflegebedarf zu. Gleichzeitig wirken im System Fehlanreize, die dazu führen können, dass Leistungen ausgeweitet werden, ohne dass immer ein entsprechender zusätzlicher Nutzen entsteht. (…)
Ein Schwerpunkt des Vortrags lag auf der künftigen Organisation der Versorgung. Wo immer es medizinisch sinnvoll ist, sollen Behandlungen vermehrt ambulant, wohnortsnah und besser vernetzt erfolgen. (…) Gemeint ist damit nicht weniger, sondern eine klügere Versorgung: näher bei den Menschen, besser abgestimmt und weniger abhängig von teuren stationären Strukturen. (…)
Bemerkenswert war Jourdans föderalistischer Blick auf die Gesundheitspolitik. Der Kanton soll nicht bloss bestehende Strukturen verwalten, sondern neue Lösungen ermöglichen und koordinieren. Föderalismus kann, richtig verstanden, ein Raum sein, in dem tragfähige Lösungen erprobt werden. Gerade im Gesundheitswesen braucht es den Mut, regionale Gegebenheiten ernst zu nehmen und dennoch über einzelne Institutionen hinauszudenken. Unter dem Gedanken «Wir bauen nicht ein Spital, wir gestalten Gesundheitsversorgung» wurde deutlich, worum es im Kern geht. Die Zukunft liegt nicht allein in Gebäuden und Standorten, sondern in einem Versorgungsmodell, das Hausärztinnen und Hausärzte, ambulante Angebote, Spitäler, Pflege, digitale Vernetzung und neue Formen der Zusammenarbeit besser miteinander verbindet.
(…) Auffallend war die Atmosphäre des Abends. Trotz der Schwere des Themas wurde während des Vortrags immer wieder gelacht. Jourdan punktete mit seiner Natürlichkeit, seiner spürbaren Sachkenntnis und einer Art, die Nähe schuf, ohne die Komplexität des Themas zu verkürzen. Der Vortrag bot keine einfachen Antworten, aber eine sorgfältige Einordnung. Passend dazu stand am Ende ein Gedanke, der den Abend gut zusammenfasste: Wer etwas wagt, kann verlieren; wer nichts wagt, hat schon verloren. Für die Gesundheitspolitik heisst das: Stillstand ist keine Option. Es braucht Offenheit, Augenmass und den Mut, notwendige Veränderungen rechtzeitig anzugehen.“
