#Sonntagsgedanken: Wann haben wir aufgehört zu geniessen?

Die letzten Tage war ich berufsbedingt in einem Hotel einquartiert. Wie auch zu Hause, zählt für mich das Morgenessen zu den geschenkten Zeiten «nur für mich».

Und trotzdem kenne ich die Ablenkungsmöglichkeiten: das Mail, das noch geschrieben werden soll, das Paper, das noch gelesen werden muss, die Sitzung, deren Unterlagen ich nur kurz überflogen habe, der Social-Media-Post, der noch eine Reaktion braucht.

Was mir dieser Tage aufgefallen ist: Kaum ein Hotelgast kam ohne Smartphone an den Tisch. Kaum hingesetzt, war der Feed offen, wurden die sozialen Medien bedient, die Mails gecheckt, Freunde mit einer Statusmeldung via Messenger beglückt. Nicht kurz, nicht für fünf Minuten – nein, in der Regel während des gesamten Morgenessens.

Und ich habe mich gefragt:

𝗪𝗮𝗻𝗻 𝗵𝗮𝗯𝗲𝗻 𝘄𝗶𝗿 𝗮𝘂𝗳𝗴𝗲𝗵ö𝗿𝘁 𝘇𝘂 𝗴𝗲𝗻𝗶𝗲𝘀𝘀𝗲𝗻?

Die Zeit für uns allein?
Die Zeit, in Gedanken zu schwelgen, Freiräume für Ideen zu haben?
Die Zeit, in der unser Gehirn ganz einfach entspannen, oder uns an neue Orte entführen durfte?

Die Zeit, in der wir das Essen wirklich geniessen konnten. Die Farben, den Geruch, den Geschmack, die Komposition.

Wann haben wir aufgehört, solche Momente zu nutzen, in uns hineinzuhören, zu reflektieren, Dankbarkeit zu spüren, neuen Mut zu entdecken – uns bereit zu machen für neue Abenteuer?

Mir wurde wieder bewusst: Ja, unsere Zeit ist umkämpft. Aber es liegt an uns, Prioritäten zu setzen, Räume zu gestalten – auch leere. Unserem Gehirn Ruhemomente zu geben. Uns etwas Gutes zu tun – indem wir einmal nichts tun.

Und dabei möchte ich bleiben: Smartphones gehören bei mir nicht an den Esstisch. Auch nicht in dessen Nähe. Die Versuchung ist zu gross, bei der nächsten Notification wieder schwach zu werden.

Wie siehst du das? Wie gestaltest du deine Morgenroutine?

© 2026 Thomi Jourdan