Vor ein paar Tagen haben viele Freunde und Wegbegleiter, Ueli Meier nach mehr als 20 Jahren als Amtsleiter des Amts für Wald und Wild in seinen wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Mit ihm verliert die VGD einen leidenschaftlichen, kompetenten Amtsleiter und eine visionäre, innovative Persönlichkeit.
Und manchmal begleiten einem Reden die man hielt, auch persönlich…
«Lieber Ueli
Seit 2023 darf ich mit dir unterwegs sein, durfte viel von dir lernen. Ganz Alltägliches wie z.B. was Trockenstress und Naturverjüngung sind. Oder was Totholz wirklich bedeutet: nämlich nicht Verfall, sondern pulsierendes Leben. Oder was Sukzession heisst – dass sich ein Wald nach einer Störung neu erfindet. Schritt für Schritt. Über Jahre, Jahrzehnte.
Was mich an dir Ueli aber besonders beeindruckt hat, ist deine Haltung zum Wald. Und vielleicht das Wichtigste, was es über dieses grossartige Ökosystem zu wissen gilt:
«Der Wald kann Veränderung.»
Es sind wir Menschen, die kaum aushalten, was wir da draussen sehen: Die kahlen Flächen nach einem Sturm, die absterbenden Bäume. Wir nennen es Katastrophe – weil es uns an die Tatsache erinnert, dass wir es sind, die diese Veränderung ausgelöst haben.
Gleichzeitig halten wir es kaum aus, wenn Veränderung langsam geschieht, wenn sie anstrengend ist, schmerzhaft, herausfordernd. Wenn das Neue und das Schöne nicht sofort sichtbar sind, sondern erst viel später – vielleicht erst in Jahrzehnten. Ja, unsere Gesellschaft hat verlernt, dass Kargheit und Übergang zu jeder Erneuerung gehören.
Darum meine heutige Frage an dich, lieber Ueli: «Kannst auch du Veränderung, Sukzession?»
Kannst du dich nach 20 Jahren in diesem Amt, nach diesem intensiven Rhythmus – ebenfalls neu erfinden? Schritt für Schritt, nicht von heute auf morgen, sondern geduldig und im Wissen, dass Erneuerung auch karge Momente bedeutet – und in der Überzeugung, dass daraus etwas Neues, Stabiles und Grossartiges entstehen kann?
Ich bin überzeugt die Antwort ist: Ja! Weil du bist, wer du bist.
So wie du den Wald nie einseitig gedacht hast – Nicht nur als Schutzwald. Nicht nur als Erholungsraum. Nicht nur als Wirtschaftswald. Sondern immer als Ganzes: Nutzung, Schutz, Natur, Mensch – in Balance. Integrales Waldmanagement eben – ein anderes dir wichtiges fachliches Prinzip – so habe ich auch deine Lebensphilosophie, dich in deiner Arbeit erlebt: mit Leidenschaft und Geduld, mit Überzeugung und Offenheit, mit dem Blick fürs grosse Ganze und dem Gespür für das einzelne Detail.
Lieber Ueli. Ich wünsche dir einen grossartigen Übergang in den neuen Lebensabschnitt – wie er zu deinem Leben passt und wie es der Wald uns vorlebt: Nach dem Einschnitt kommt nicht das Ende, es kommt ein Neuanfang, die Sukzession. Vielleicht nicht von heute auf morgen, aber beständig – auf dem Weg zu neuen Qualitäten und Schönheiten.
Lieber Ueli, danke für 30 Jahre Waldleidenschaft. Danke für dein Engagement, deine Begeisterung, deine Kompetenz!“
